Vorwort

Im Lexikon werden die Begriffe Karneval und Fastnacht folgendermaßen umschrieben:
Der Karneval, lat. carrus novalis (übersetzt: Schiffskarren) findet sich im späten Altertum in Ostrom, im 10. Jahrhundert in Belgien und scheint schon in der Bronzezeit nach Skandinavien gelangt zu sein, wie es Felsritzungen bei Bohus bezeugen. In roman. Ländern (Paris) erhielt er sich am längsten, ging dann aber in die Fastnachtsumzüge über. Der rheinische Karneval, meist von Karnevalsgesellschaften organisiert, mit Prinzen, Sitzungen, Elferrat, Narrenmütze, Schunkeln, Mädchengarde, Funkenmariechen, Büttenreden und Rosenmontagsumzügen, vom 11.11., 11:11 Uhr, bis Aschermittwoch wurde zur reinen Vergnügungszeit.

Die Fastnacht, auch Fastelabend oder Fasching genannt, ist die, vor der, mit Aschermittwoch beginnenden kirchlichen Fastenzeit, gelegene Festzeit. Diese beginnt in der Regel an Dreikönig (6.1.) oder, so hat es sich heute eingebürgert, am 11.11 um 11:11 Uhr. Die Fastnacht ist gekennzeichnet durch die Umkehrung sonst gültiger Regeln („verkehrte Welt“, „Absetzung“ des Bürgermeisters, „Weiberherrschaft“), durch Verkleidung aller Art (Masken, Kostüme), bzw. einer Form des Umzugs und des Rügebrauchs (Büttenrede). Unter Rügebrauch versteht man einen  Volksbrauch, mit dem bestimmte Zustände oder Personen gerügt oder kritisiert werden, meistens in scherzhafter Form. Der Rügebrauch wird häufig zu bestimmten Anlässen (z.B. Hochzeiten) oder Terminen (z.B. Nikolaus, Büttenrede in der Fastnacht) geübt und damit institutionell geschützt oder zumindest geduldet. Ob er wirklich Veränderungen bewirkt oder nur Ventilfunktion hat , kommt auf den einzelnen Fall an. Die Fastnacht war ursprünglich wohl vor allem eine städtische Angelegenheit; in den protestantischen Gegenden wurde sie durch Reformation, Aufklärung und Pietismus vielfach eingedämmt. Auf die regionalen Ausprägungen hatte im 19. und 20. Jahrhundert der rheinische Karneval nivellierenden Einfluss. Im Zeichen des Folklorismus wird neuerdings eine Gegenbewegung sichtbar, die auch auf den Dörfern (z.B. in Röhrenfurth) das Eigenständige und Originelle zu betonen versucht (Wiederbelebung alter Bräuche, neue Masken u.ä.).  Die Fastnachtsfeiern sind in großem Maße in der Hand einzelner Verbände, der örtlichen Burschenschaften, der Zünfte und immer mehr auch der Frauen (Weiberfastnacht).

In Röhrenfurth feiern wir den Karneval in der Öffentlichkeit seit etwa Mitte der 70er Jahre. Angefangen hat alles mit einem gemütlichen Abend der Chorvereinigung in der Faschingszeit. Der eine oder andere hatte ein paar Witze oder sogar schon eine kleine Büttenrede parat, die er an diesem Abend vortrug. Es wurde musiziert und gesungen, geschunkelt und getanzt bis in den frühen Morgen. Später kamen dann auch richtig einstudierte Tänze hinzu; es wurden Gardekostüme genäht, der Saal mit Girlanden aus Zigarettenpapier geschmückt (übrigens der teuerste Raumschmuck, den wir je hatten!) und von Jahr zu Jahr wurde die Veranstaltung professioneller. Mitte der 80er Jahre kamen dann noch Beschallungs- und Lichtanlagen hinzu; bereits zu diesem Zeitpunkt war der Andrang beim Kartenverkauf so groß, dass man sich schon ernsthaft Gedanken darüber machte, den Karneval auf zwei Veranstaltungen aufzuteilen. In 1989 war es dann soweit, nachdem der Conférencier des letzten Jahres die Erwartungen des Publikums überhaupt nicht erfüllt hatte, und ich mich bereit erklärte diese „einfache“ Aufgabe selbst in die Hand zu nehmen, ausgerechnet da war der Andrang so groß, dass wir um eine zweite Veranstaltung nicht herum kamen. Wir funktionierten den Freitag (eigentlich der Tag der Generalprobe) um und feierten schon mal vor, allerdings noch ohne Kostüme und Schminke, bei verbilligtem Eintritt (übrigens, es war Freitag, der 13. Jan. 1989!). Bei dieser Doppelveranstaltung wurden bereits 297 Karten verkauft. Das Jahr darauf wurde noch erfolgreicher. Auch hier musste wieder zweimal gefeiert werden, um die insgesamt 375 Besucher zu unterhalten. Es folgten drei Jahre, in denen wegen dem Golfkrieg und der Renovierung des Dorfgemeinschaftshauses leider kein Karneval gefeiert werden konnte (eigentlich, bei diesem Erfolg, das Verrückteste, was man tun konnte). Als ich dann den Vorschlag machte, den Karneval in unserer neuen Vierbuchenhalle wieder neu entstehen zu lassen, wurde ich von dem damaligen Vorstand der Chorvereinigung, fast für verrückt erklärt: Das wäre doch viel zu groß für unseren kleinen Karneval. Aber ich ließ nicht locker, wofür haben wir denn diese schöne große Halle? Und endlich gab man nach, es gab wieder einen Karneval und zwar am 22. Jan. 1994 in der Vierbuchenhalle vor sage und schreibe 489 Närrinnen und Narren, die uns trotz dreijähriger Unterbrechung treu geblieben waren. Obwohl wir bei der Beschallung der Halle einige Probleme hatten (es hatte ja auch noch keiner von uns Erfahrung auf diesem Gebiet), ein Erfolg, den damals keiner erwartet hätte! Nun gab es kein Zurück mehr. Auch im nächsten Jahr musste wieder Karneval gefeiert werden (21. Jan. 1995) und auch im Jahr darauf (20. Jan. 1996) ... und alle wurden älter. Vor allem bei den Helfern vom Auf- und Abbau sah man nur sehr selten jüngere, so dass die Chorvereinigung zu dem Entschluss kam, den Karneval abzugeben. Da ich seit 1995 auch noch das Vergnügen hatte, Vorsitzender eben dieser Chorvereinigung zu sein, lag diese, für mich sehr schwere Aufgabe, nun in meinen Händen. Viel lieber hätte ich diesen Karneval weiterhin aus den Reihen der Chorvereinigung veranstaltet, als ihn abzugeben, aber ehe in Röhrenfurth überhaupt kein Karneval mehr gefeiert würde, machte ich mich lieber auf die Suche nach Gleichgesinnten, um eventuell einen eigenen Karneval Verein zu gründen.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal allen Helferinnen und Helfern der Chorvereinigung für ihren unermüdlichen Einsatz bei den Karneval Veranstaltungen danken, und natürlich auch für die Utensilien (Bütt, Kostüme, Raumschmuck u.s.w.), die dem neuen Verein, der Karneval Gemeinschaft Röhrenfurth kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.

Röhrenfurth, im März 1998
Berthold Weber

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