Der zweite Karneval

In diesem Jahr wurde unser Karneval beherrscht vom Fernsehauftritt der Jazzdance Gruppe und dem Auftritt unseres Kindertanzes in Bergen-Enkheim. Die Termine lagen alle sehr knapp: 22. Januar Männertanzturnier in Großenritte, außerdem Generalprobe, 23. Januar Karneval, 24. Januar Kindertanz in Bergen-Enkheim, 31. Januar Generalprobe für Hessen lacht zur Fassenacht, 3. Februar Aufzeichnung der Sendung, 15. Februar Rosenmontagsball. Es war sehr hektisch, vielen sogar zu hektisch, so dass schon einige Meinungen laut wurden, nie wieder eine Bewerbung für Hessen lacht zur Fassenacht abzuschicken. Mir persönlich war das alles etwas rätselhaft, auch die vielen internen Streitereien die es noch gab, hier aber nicht aufgeführt werden sollen. Für mich steht nur eins im Mittelpunkt: An einer Fernsehsendung teilzunehmen ist ein großer Erfolg für den TSV, aber auch für unseren Karneval und für ganz Röhrenfurth, um den uns manch anderer Verein bzw. Ort beneidet.

Der Aufbau für unseren Karneval am Freitag verlief wieder sehr reibungslos. Erstmalig stellten wir auf der Innenseite 5 Tischreihen (auf der Fensterseite blieb es bei 4 Tischreihen), damit konnte die Länge der Reihen verkürzt werden, die Hinteren saßen jetzt nicht mehr so weit von der Bühne entfernt. Alle zusätzlichen Tische, Stühle und Bühnenelemente holten wir in diesem Jahr aus der Berglandhalle in Körle, das hatte den Vorteil, dass wir nicht mehr zu stückeln brauchten wie in den letzten Jahren (Bühne von Melsungen, Tische und Stühle aus unserem DGH, und zusätzlich noch aus Kehrenbach u.s.w.). Auch in diesem Jahr waren wir wieder relativ früh fertig, so dass wir sogar noch mal kurz nach Hause gehen konnten, ehe dann um 17:30 Uhr die Generalprobe begann.

Als erstes durfte der Kindertanz proben, gleich gefolgt vom Männertanz, denn unsere Männer mussten ja noch nach Großenritte zum Männertanzturnier. Ich habe noch daran gedacht und sogar einem der Männer noch zugerufen: „Vergesst eure Musik nicht!“ Aber irgendwie war die Hektik größer, als der Gedanke an die Musik, denn etwa eine Stunde später stand Juliana Gutsch wieder bei uns und sagte, dass sie die Kassette mit der Musik vergessen hätten. Lag es nun an der Hektik, oder war es Aufregung, aber in diesem Jahr belegte unser Männertanz nur den 10. Platz von 25 Teilnehmern. Die meisten unserer Männer und, wie sich später herausstellte, auch einige andere Tanzgruppen, beschwerten sich über die Bevorzugung der großen Karnevalvereine. Die Tänze dieser Vereine seien zwar häufig schlechter, als die der kleineren Vereine, aber allein wegen dem Ruf dieser Vereine wurde keiner auf einen der hinteren Plätze verwiesen. Außerdem sind in vielen Tänzen akrobatische Höchstleistungen eingebaut, die sich kleinere Vereine mit entsprechendem höheren Durchschnittsalter gar nicht leisten können. Nun gut, es war wohl auch vorerst das letzte Mal. Unsere Generalprobe ging dann noch bis gegen 23 Uhr, dann passte alles, die Technik stand, die Bühne war markiert und wenn morgen jeder noch seine Markierung erkennt, konnte eigentlich nichts schief gehen.

Am nächsten Morgen wurden noch, wie in jedem Jahr, die Luftballons aufgeblasen und die Tische mit Luftschlangen, Servietten und Aschenbechern dekoriert. Dann erhielt jeder Tisch noch seine Nr. Und genau hier geschah es: Cathrin sprang auf der Bühne hin und her, warf die Beine in die Höhe und tanzte wie ein - ja, sie tanzte wie ein Funkenmariechen. Lange Zeit hatte ich gesucht, aber niemand wollte so richtig ran, und hier tanzte sie auf der Bühne, völlig ohne Musik. Ich ging sofort zu ihr und fragte sie, ob sie Lust hätte, so etwas im nächsten Jahr als Funkenmariechen hier bei unserem Karneval zu zeigen. Sie überlegte nicht lange und willigte ein. Dies war die Geburtsstunde des ersten Funkenmariechens der Karneval Gemeinschaft Röhrenfurth.

Der diesjährige Karneval war für Gisela und mich überschattet vom Tod meiner Mutter am 11. Januar. Gisela sagte ihr Mitwirken bei den Tänzen komplett ab (das Rest-Training des Kindertanzes übernahm Conny), ich wollte wenigstens die Moderation und den Rosenmontagsball durchziehen, denn in dieser kurzen Zeit noch jemand anderen zu kriegen, erwies sich als sehr schwierig. An dieser Stelle möchte ich allen, besonders meinem Vater, für das Verständnis meiner Entscheidung danken. Ich glaube, es kann sich keiner vorstellen, was es heißt, in einer solchen Situation auf der Bühne zu stehen.

Von der Karneval Veranstaltung selbst gibt es kaum etwas zu berichten. Alles lief reibungslos ab, das kleine Problem, das wir im Vorfeld hatten, weil die Lumpensammler ausgefallen sind, wurde elegant gelöst: Reiner und Uschi spielten „Henner und Änne“, was sicherlich ebenso lustig war und dem Publikum gefiel, wie sonst die Lumpensammler. Kurz nach Mitternacht gab es noch eine spontane Programmänderung: Erna Niddler und Henning Linke hatten Geburtstag und wurden auf die Bühne zitiert. Eine gelungene Überraschung für die beiden.

Gegen 0:30 Uhr war unser Programm beendet und alle gingen erleichtert quer durch die Halle zur Theke. Wir ernteten viel Beifall und wenig Kritik. War der Karneval wirklich so gut? Oder traut sich nur niemand wahre Kritik zu äußern? Naja, man muss bedenken, dass vieles von den Dingen, die bei uns schief gehen, vom Publikum gar nicht erkannt wird. Vielleicht sind wir auch viel zu selbstkritisch. Aber es ist besser, an sich selbst Kritik zu üben, denn dann hat man für das nächste Mal auch entsprechendes Verbesserungspotential.

Die nun folgende Nacht wurde für einige wieder sehr lang. Bei Bier, gutem Essen und viel Musik ließ es sich ja auch lange aushalten.

Alle, die mit dem Kindertanz verbunden waren (Kinder, Trainer und Eltern), mussten allerdings etwas früher nach Hause, denn um 10 Uhr fuhr der Bus nach Bergen-Enkheim. Wir packten alle Utensilien wie Weihnachtsbaum, Indianerzelt, Totempfähle u.s.w. ein, noch ein wenig flüssige Verpflegung und dann ging’s los. Während die anderen die Halle aufräumten, fuhren wir gemütlich zum Kinderkarneval. Dort angekommen machten wir sofort mit einem großen Transparent, das Dieter Herwig angefertigt hatte, auf uns aufmerksam. Corinna Orth, die Vizepräsidentin von Hessen lacht zur Fassenacht, besprach mit mir den Ablauf, wie und wann wir dran sind, und wie wir zur Bühne geholt würden. In diesen Karnevals Hochburgen ist es so üblich, dass alle Gruppen bei der Eröffnung schon mal auf die Bühne gehen, und das gleiche dann noch mal beim Finale. Zwischendurch begrüßte ich noch Karl Oertl, der mich tatsächlich wiedererkannte. Dann, pünktlich um --:-- Uhr ging’s los. Unmittelbar vor uns war noch ein Indianertanz, das passte sogar ganz gut, denn die Kinder dieses Tanzes setzten sich anschließend links und rechts neben unsere Kinder auf die Bühne, was gar nicht schlecht aussah. Nur unser Weihnachtsbaum wollte und wollte nicht stehen bleiben. Schon beim Aufbau fiel er um, und später sogar mitten im Tanz. Aber unsere Kinder sind ja auch schon fast Profis, sie ließen sich davon nicht stören und tanzten ohne Unterbrechung weiter. Sie bekamen viel Beifall, obwohl sich der Kinder-Sitzungspräsident an der „Friedenspfeife“ etwas die Finger verbrannte.

Leider mussten wir feststellen, dass auch hier, wo der Karneval eigentlich ganz groß geschrieben wird, das Publikum bei vielen Beiträgen, vor allem bei Büttenreden, nicht unerheblich an der lauten Geräuschkulisse beteiligt war.

Trotz allem war es ein schönes Programm mit vielen bunten Tänzen, das uns allen sehr viel Spaß gemacht hat. Kurz bevor wir wieder nach Hause fuhren, brachte mir Karl Oertl noch eine Kiste Sekt und bedankte sich für unsere Teilnahme, und wir verabschiedeten uns mit einem kräftigen Röhrenfurt Helau. Damit hatten die Kinder ihren Auftritt hinter sich. Einziger Wermutstropfen: Es war leider doch kein Fernsehen dabei.

Am 31. Januar 16 Uhr war’s dann für die Jazzdancerinnen soweit: Kostüm- und Lichtprobe für die Fernsehaufzeichnung in der Meirotelshalle in Rotenburg. Es ist schon enorm, was der Hessische Rundfunk für so eine Sendung alles aufbaut. Auf dem unteren Parkplatz standen ca. 25 LKW-Anhänger; in der relativ kleinen Halle, ca. 300 - 400 Sitzplätze plus Bühne und Technik, hingen hunderte von Scheinwerfern, 3 Kameras, 1 Kamerakran und eine Hand-Steadycam für Aufnahmen zwischen den Tänzer(inne)n. Aber es hat mich sehr beruhigt: Uwe und ich brauchen etwa ½ Tag, um unsere Technik aufzubauen, die vom Fernsehen haben 1 Woche benötigt!

Nachdem der Vogelscheuchentanz zweimal gut geklappt hatte und alle Kamerastellungen getestet waren, prägte Karl Oertl einen Spruch, der die Damen der Jazzdancegruppe sichtlich empörte: „Man hört vom Tanzen sie noch keuchen, es sind halt ält’re Vogelscheuchen“. Er sagte zwar sofort, dass er diesen Spruch bei der Aufzeichnung natürlich nicht sagen würde, aber so recht hat ihm das niemand geglaubt, wie sich später auch herausstellen sollte.

Dann nahte der 3. Februar. Die Aufregung wurde größer, die feuchten Hände häufiger. Gegen 13 Uhr fuhren alle in Fahrgemeinschaften von Röhrenfurth aus los. Um 15 Uhr war bereits eine Generalprobe zwar noch ohne Kostüm aber schon mit Publikum angesagt. Danach gab’s noch einen Happen zu Essen, dann umziehen, schminken, fertigmachen und warten auf den Auftritt.

Ich hatte das große Glück, zusammen mit einigen Karnevalisten von der Guxhagener Karneval Gesellschaft Blaue Funken, vom letzten Tisch ganz hinten an den ersten Tisch ganz vorn direkt neben dem HR-Intendanten gebeten zu werden, denn der Rest dieses Tisches war leer, und das sieht im Fernsehen nicht gut aus. Damit hatten wir die Möglichkeit alles hautnah mitzuerleben, was uns diese Fernsehsitzung natürlich um ein Vielfaches angenehmer machte. Obwohl ich eigentlich mit unserer Jazzdancegruppe direkt nichts zu tun hatte, war eine gewisse Nervosität auch bei mir unverkennbar. Hoffentlich klappt alles. Aber auch hier war alle Aufregung umsonst: Bis auf ein paar kleine Patzer, die man fast nicht sah, hat alles gut geklappt. Weil Karl Oertl während den Proben ein wenig „gelästert“ hatte (als Neulinge müsse man den Sitzungspräsidenten aber auch verpflegen), überreichte ich ihm nach der Veranstaltung noch eine kleine „Brotzeit“ (1 Fl. Bier, 1 kl. Wurst, 1 Brötchen, 1 Messer, 1 Flaschenöffner und den Orden der KGR); als Gegenleistung bekam ich den Orden des Hessischen Rundfunks. Gegen 23 Uhr fuhren wir wieder nach Hause. Irgendwie fühlte ich mich unwohl, denn es gab im Zusammenhang mit diesem Fernsehauftritt doch sehr viel Streitereien innerhalb der Jazzdancegruppe, und das ist nicht gut. Verstehen kann ich es nicht, denn jeder andere wäre glücklich gewesen, und hätte alle Anstrengung auf sich genommen, um mit einem solchen Tanz ins Fernsehen zu kommen.

Einige Abordnungen der KGR waren auch in diesem Jahr wieder bei den Punksitzungen der befreundeten Karneval Vereine. So fuhren wir mit dem Männertanz am 11. Februar nach Guxhagen zur Weiberfastnacht, am 13. Februar um 19:30 Uhr nach Adelshausen und um 21:30 Uhr nach Melsungen. Lediglich der Karneval in Ihringshausen fiel in diesem Jahr aus, weil keine Gäste kamen (dies hatten wir in den letzten Jahren auch schon festgestellt, wenn wir nicht mit mehreren Tänzen und Büttenreden mitgemacht hätten, wäre der Saal fast leer gewesen). Reiner ging mit seiner Büttenrede wieder nach Körle (CC Empfershausen) und als Zuhörer waren wir wieder in Besse, Guxhagen, Körle und Melsungen.

Den Abschluss dieser Session bildete für uns der Rosenmontagsball, wie auch schon im vergangenen Jahr. Natürlich mussten wir wieder verspätet anfangen, weil der Saal sich nur langsam füllte, das scheint in Röhrenfurth so üblich zu sein. Dann kamen Gardetanz, „Wolfgang Petry“, Männerballett, Reiner als Doofe Nuss, Showtanz und zum Abschluss noch die Breitenbachhüpfer zum Zuge. Zwischendurch viel Musik und Tanz und zum Schluss wieder die Prämierung des besten Kostüms. Als gegen 2 Uhr die meisten gegangen waren, konnten wir auch diesen Abend wieder als Erfolg verbuchen. Langsam werden es immer mehr, denen der Karneval Spaß macht, aber leider sind es immer noch zu wenig, die aktiv mit machen. Häufig hat eine Person gleich mehrere Funktionen (tanzen, trainieren, Büttenrede u.s.w.). Hoffentlich gibt sich das in den nächsten Jahren, denn auch wir werden alle älter.

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